Blogtour "Welt der Schwerter" - Lynn
Hallo ihr lieben Bookies und herzlich Willkommen zu meiner ersten Blogtour!
Ich hoffe, euch geht es gut.
- High Fantasy Romance
- gehobene Sprache
- spannende Kriegstechniken
Habt ihr euch schon einmal vorgestellt, wie es wäre, wenn ihr in eines eurer liebsten Bücher abtauchen könntet? Wie es wäre selbst durch Hogwarts zu spazieren oder den Nachthimmel von Velaris mit eigenen Augen zu betrachten? Wie es wäre, wenn sich Edward in euch statt in Bella verliebt hätte?
Nein? Das glaube ich euch nicht 😂 Ich denke, wir alle haben uns schon einmal in die ein oder andere Szene hineingewünscht.
Und wisst ihr was? Heute darf ich tatsächlich in ein Buch eintauchen und als eigener Charakter durch Galaträa wandern, um eine der Protagonistinnen kennenzulernen. Und ihr glaubt gar nicht, wie cool das gewesen ist!
Lynn war in "Welt der Schwerter" eine meiner liebsten Figuren. Ihr Feuer in Band 1 und ihre freche Art haben es mir angetan. Und heute darf ich ihr ein paar Fragen stellen, die mich während des Lesens beschäftigt haben. Ich wünsche euch viel Spaß!
Es sei die Drachenklinge, die Realität und Fantasie zerschnitt. Sie verschmolzen, dehnten sich und zersprangen, bis der Schleier zwischen den Welten so dünn war, dass sie hindurchschreiten konnte.
»Und natürlich«, sagte der junge Baron Gelhardt im Brustton der Überzeugung, »wird sie diese Privilegien verlieren, sollte das erste Kind ein Mädchen sein.«
Lynn stieg das Blut in die Wangen. Schon wie er dasaß, im Bewusstsein seiner Überlegenheit als Sohn eines Barons und vor allem als Mann! Dabei war der dünne Flaum an seinem Kinn kaum ein Bart zu nennen. Er war nicht einmal drei Monate älter als seine Braut Cidenia, die schüchtern und in ihr Schicksal ergeben neben Lynn saß. Nun, es war Lynns Aufgabe, aus dieser Verhandlung das Beste für ihre Freundin herauszuholen. Aber das würde nicht gelingen, wenn sie diesen Schnösel an den Ohren zog und ihm den Hintern versohlte, so sehr ihr auch danach verlangte. Also zwang sie sich zu einem Lächeln und fragte mit geheuchelter Freundlichkeit: »Warum?«
Sein Blick irrte zu ihr herüber. »Wie meinen?«
»Warum sollte Cidenia Einschränkungen hinnehmen, wenn Ihr ein Mädchen zeugt?«Sein Gesichtsausdruck zeigte deutlich, für wie selbstverständlich er dieses Vorgehen hielt. Die Handflächen nach oben gekehrt, wies er mit beiden Händen auf Cidenia. »Wenn sie nur ein Mädchen zur Welt bringt, muss das doch Konsequenzen haben!«
Lynn stützte den Unterarm auf den Tisch, beugte sich vor und sah ihm direkt in die Augen.
»Mein Lieber Baron. Wenn Ihr ein Weizenkorn pflanzt, und es wächst ein Weizenhalm daraus, und kein Apfelbaum, gebt Ihr dann etwa dem Boden die Schuld?«
Dem jungen Baron fiel die Kinnlade herunter. Verdattert ging sein Blick zur Priorin, aber die war zur Neutralität verpflichtet und saß mit versteinertem Gesicht da. Nur wer sie sehr gut kannte, mochte die leicht vertieften Lachfältchen an ihren Augenwinkeln bemerken.
Da er hier keine Unterstützung fand, sah er nun Cidenia an, doch Lynn ließ ihm keine Zeit, etwas zu ihr zu sagen. »Unser Vorschlag: Alle vereinbarten Bedingungen gelten fort, so lange Ihr Mädchen zeugt. Sollte Cidenia aber einen Jungen gebären, so werden ihr die folgenden zusätzlichen Privilegien gewährt. Sie schob ein Blatt über den Tisch.
Baron Gelhardt war noch immer so verdattert, dass er die Liste zu sich heranzog und mit blassem Gesicht überflog. Wie unerfahren er in Verhandlungsdingen war, zeigte sich daran, dass er die Liste nicht rundheraus ablehnte, sondern sich lautstark empörte, sobald er auf jenen einen, besonders heiklen Punkt stieß.
»Eine jährliche Leibrente von vierhundert Kronen?«
Er war ihr in die Falle getappt. Genau deshalb hatte Lynn den Betrag so exorbitant hoch angesetzt. Sie lächelte. »Welche Summe würdet Ihr denn als angemessen empfinden für einen gesunden Sohn?«
Nach dieser Frage würde er schlecht sagen können »gar keine«. Er begann zu stottern, und sagte schließlich piepsig: »Zweihundert?«
Lynn seufzte. »Ihr seid ein harter Verhandlungspartner, Baron Gelhardt.« Sie nahm die Gänsefeder auf, zog das Papier wieder zu sich heran, änderte den Betrag und schob Papier mitsamt der Feder zurück. »Dann könnt Ihr jetzt hier unterschreiben.«
Und tatsächlich tat er das. Vermutlich wollte er bloß, dass diese Verhandlung endete. Alle anderen Punkte waren somit angenommen. Die Fältchen an den Augenwinkeln der Priorin vertieften sich.
Bald darauf führte die Priorin das zukünftige Paar hinaus in sein neues Leben, und Lynn schob sich zufrieden eines der Gebäckteilchen zwischen die Zähne, bevor die Aufwärterin sie abräumte. Die junge Frau mit dem langen, rotbraunen Haar hatte während der Verhandlung an der Wand gestanden, bereit, was immer benötigt wurde zu besorgen. Lynn fiel auf, dass sie sie nie zuvor gesehen hatte. Jetzt begegneten sich ihre Blicke und Lynn hatte das Gefühl, dass die junge Frau etwas sagen wollte, aber es nicht wagte. Sie lächelte aufmunternd. »Du bist neu hier, oder?«
Ein kurzer Knicks. »Ich helfe nur aus … Hoheit.« Der Titel kam mit etwas Unsicherheit, und Lynn winkte lachend ab.
»Nenn mich ruhig Lynn, wir sind ja unter uns. Wie heißt du?«
Wieder ein Knicks, der wirkte, als würde er nicht oft ausgeführt. »Mein Name ist Aya.«
»Du hast sehr interessiert zugehört, Aya. Warst du denn zufrieden mit meinen Verhandlungen?«
»Mit Verlaub, es kam mir so vor, als könntet Ihr den Baron nicht leiden. Hat er Euch etwas getan?«
Wieder lachte Lynn. Wie immer nach einer erfolgreichen Verhandlung, war sie ziemlich entspannt – und diese war äußerst erfolgreich verlaufen. »Ich habe ihn heute zum ersten Mal gesehen – wie seine Braut übrigens auch. Aber ich kann es nicht ausstehen, wenn Männer denken, sie seien etwas Besseres, nur weil sie … nun ja, eben Männer sind.«
»Da habt Ihr Recht. Wo ich herkomme, denkt man, eine Frau kann ebenso gut sein wie ein Mann.«
Lynn warf sich die Locken in den Nacken. »Ich denke, eine Frau, die so gut sein will wie ein Mann, hat einfach keinen Ehrgeiz!«
Aya sah erst verwirrt aus, aber dann kicherte sie. Kopfschüttelnd stellte sie die Teller und Becher auf einem Tablett zusammen.
»Ich trag das hier.« Lynn nahm die Schüssel vom Tellerstapel – nur zum Teil unterstützende Handreichung. Tatsächlich hatte sie so auf dem gemeinsamen Weg in die Küche noch Gelegenheit, ein wenig an dem Käsegebäck zu knabbern. Sie hielt Aya die Tür auf.
»Wenn Ihr nicht heiraten wollt«, sagte Aya, während ihrer beider Schritte auf dem Steinboden des Ganges klapperten, »was ist es dann, das Ihr im Leben begehrt?«
Lynns Hand stockte auf halbem Weg zum Mund.
»Ich weiß nicht«, sagte sie nachdenklich. Und dann, selbst erstaunt über diese Erkenntnis, fügte sie an: »Ich wusste eigentlich immer nur, was ich nicht will.«
Aya drehte sich zu ihr um. »Aber Ihr müsste doch Wünsche haben. Träume. Dinge, die euch glücklich machen.«
Ja, die gab es. Einer Freundin wie Cidenia beistehen war eines davon. Oder den jungen Kanonissen helfen, wenn sie verängstigt von all dem Neuen im Stift ankamen. Berlingas Sorgen teilen oder Schwester Radingas Rücken massieren, wenn er wieder einmal schmerzte. Aber waren das große Lebensziele? Sie seufzte.
»Ich glaube, ich will einfach nur in jedem Moment selbst entscheiden können. Und ich will, dass meine Entscheidungen respektiert werden. Dass das, was ich tue, nicht abgetan wird, sondern anerkannt wird als wertvoll und wichtig.« Sie hob das Stück Käsegebäck und fuchtelte damit vor Ayas Gesicht herum, »Weißt du, die Männer bestimmen, was gut ist. Kämpfen und Siegen ist gut. Helfen und Unterstützen ist schwach. Sie nennen es dienen und schätzen es gering. Und das Schlimme ist: Wir widersprechen ihnen nicht!« Energisch schob sie sich das Gebäck zwischen die Zähne und nahm den Weg wieder auf.
Auf Ayas Tablett klirrten die Teller im Rhythmus ihrer Schritte. »Dabei seid Ihr doch stark. Ich bewundere Euer Durchsetzungsvermögen und die Art, wie Ihr mit dem Baron gespielt habt. Ihr wusstet genau, wie Ihr sein Ego streicheln und das beste aus der Verhandlung herausholen könnt, ohne dass er etwas von dem Spiel bemerkt. Hättet Ihr einen Rat für mich, um ähnlich selbstbewusst durch das Leben zu gehen?«
Lynn seufzte. »Ich danke dir, aber ich glaube, ich bin immer nur dann stark, wenn ich für andere kämpfe.« Sie waren bei der Küche angekommen, und Lynn stellte die Schüssel zurück auf das Tablett. »Vielleicht dies: Lass dir von niemandem weismachen, was du willst sei unwichtig, falsch oder nutzlos. Frage dich niemals, was du wollen solltest. Werde du selbst. Die anderen gibt es schon.«
Sie zuckte zusammen, als Sibyllin vorbeirannte. »Beringas Verlobter reitet gerade ein!« Und weg war sie.
Lynn seufzte. »Der nächste Kandidat.« Sie nickte Aya lächelnd zu und machte sich auf den Weg zur Balustrade, wo die anderen sicher alle schon neugierig warteten.
Euch hat der Einblick gefallen? Dann vergesst nicht bei den anderen Teilnehmerinnen der Blogtour, dem Verlag und der Autorin vorbeizuschauen. Meine Rezensionen zu beiden High Fantasy Bänden findet ihr hier und hier. Spoiler: Ich habs geliebt!
Klappentext Band 1:
Eine Welt, die den besten Krieger zum König kürt, wird stets eine Welt der Schwerter bleiben. Prinz Siluren der Zauderer soll heiraten. Nur die Ehe mit der Hohepriesterin Lynn garantiert ihm die Krone. Die Eskorte der Braut stellt Silurens Halbbruder, Cordian der Kaltblütige. Doch noch während ihrer Reise fällt die Armee des Nachbarreichs ins Land ein. Die eigensinnige Hohepriesterin ist nicht nur der Schlüssel zum Thron, sie trägt außerdem das Mal der Göttin, dessen Anblick jeden Mann in Liebe entbrennen lässt. Mit seinem heldenhaften Kampf um ihre Sicherheit gewinnt Coridan ihr Herz, doch darf sie ihr persönliches Glück über das des Reiches stellen? Unterdessen bringt der König Siluren in eine abgelegene Burg in Sicherheit, da Kampf und Krieg nie seine Stärken waren. Der ahnt, dass er mit einem Sieg endlich den Respekt des Vaters erringen würde – doch zu welchem Preis?
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